Klinische Forschung

Die Klinische Forschung in den pharmazeutischen Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen wie z. B. Universitätskliniken ist ein wesentlicher Bestandteil der Entwicklung neuer Arzneimittel. Dabei werden Wirkstoffe bzw. chemische Verbindungen, Wirkstoffkombinationen, neue galenische Formen oder Anwendungsgebiete, nachdem sie identifiziert und als potenziell wirksam eingestuft wurden und die präklinische Forschungsphase erfolgreich durchlaufen haben, auf bestimmte Parameter untersucht.

Diese Parameter sind vor allem Unbedenklichkeit, Wirksamkeit, Qualität und das Nebenwirkungspotenzial eines zukünftigen Arzneimittels. Untersucht werden sie in klinischen Prüfungen (der häufig benutzte Begriff „Studie“ ist hier nicht zutreffend, denn es handelt sich entsprechend dem Arzneimittelgesetz um Prüfungen!). Die Ergebnisse dieser Forschung müssen vom pharmazeutischen Unternehmer, der beabsichtigt, das Arzneimittel auf den Markt zu bringen, zur Zulassung seines Produktes den Bundesoberbehörden (das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI)) vorgelegt werden. Sie entscheiden auf der Grundlage der Prüfungsergebnisse, ob das Arzneimittel zugelassen wird und vertrieben werden darf. Hauptkriterien für diese Entscheidung durch die Behörden sind Verträglichkeit, Wirksamkeit und Sicherheit des Wirkstoffes. Konnten diese in den klinischen Prüfungen nachgewiesen werden kann das Arzneimittel zugelassen werden. Das entspricht den Anforderungen des deutschen Arzneimittelgesetzes an die Zulassung eines Arzneimittels.

Die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen klinischen Prüfungen werden in die Phasen I, II, III und IV unterteilt. Bis zur Phase III finden die Prüfungen vor der Zulassung eines Arzneimittels statt, die Phase IV-Prüfung danach. Sämtliche klinischen Prüfungen, die am Menschen stattfinden, müssen nach den äußerst strengen Regeln der Good Clinical Practice (ICH-GCP) und der Deklaration von Helsinki des Weltärztebundes (ICH), speziell in Deutschland nach dem deutschen Arzneimittelgesetz, der deutschen GCP-Verordnung und der entsprechenden Richtlinie der EU durchgeführt werden.

Klinische Prüfungen der Phase I dienen dazu, die Verträglichkeit, die Verstoffwechselung bzw. das Verhalten im Organismus und Interaktionen des Wirkstoffes, der in sämtlichen Phasen der klinischen Forschung als Prüfpräparat oder auch –substanz bezeichnet wird, zu untersuchen. Aber auch das Finden der richtigen Dosis spielt in diesem Stadium eine wichtige Rolle. Dabei gibt es seit einigen Jahren auch die „Pre-Phase I“, in der in Erstanwendung am Menschen einmalige Gaben von Mikrodosen verabreicht werden. Das sind Dosen von höchstens 100 Mikrogramm eines Wirkstoffes. Ziel ist dabei, schon sehr frühzeitig Erkenntnisse über bestimmte Verhaltensmuster des Wirkstoffes zu gewinnen. In Prüfungen der Phase I erfolgt üblicherweise die Erforschung der Prüfsubstanz an einer kleinen Gruppe von 10 bis 30 gesunden, freiwilligen Probanden, meistens Männern in speziellen Untersuchungs-einrichtungen.

In der Phase II wird die Prüfsubstanz an freiwilligen Patienten untersucht, die an den Symptomen bzw. Krankheitsbildern leiden, gegen die die Substanz vorgesehen ist. Dabei nehmen in den meisten Fällen mehrere hundert Patienten teil, die in Krankenhäusern, Universitätskliniken oder Arztpraxen medizinisch überwacht und betreut werden. Ziel der Prüfungen sind Erkenntnisse über die Wirksamkeit, mögliche Wirkungen, Dosisfindung und verschiedene, miteinander verglichene Applikationsarten.

Klinische Prüfungen der Phase III dienen der Bestätigung der Wirksamkeit der Prüfsubstanz (konfirmatorisch), aber auch dem Nachweis der Verträglichkeit, den Untersuchungen zur Dosierung und zur Abschätzung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses. An ihnen nehmen bis zu einige tausend freiwillige Patienten teil und sie dauern z. T. mehrere Jahre. Die Ergebnisse dieser Prüfungen dienen bis auf einige Ausnahmen den Bundesoberbehörden als Grundlage für die Entscheidung über die Zulassung der Prüfsubstanz als marktfähiges Arzneimittel.

Phase IV-Prüfungen, die nach der Zulassung und dem Inverkehrbringen des Arzneimittels durchgeführt werden, dienen der Erfassung von Daten zur Sicherheit für den Patienten, zum Nebenwirkungsprofil, der Wirkung und Wirksamkeit, Wechselwirkungen, Therapieoptimierung, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Langzeitanwendung bzw. –beobachtung.

Zur klinischen Forschung gehören die Planung, Durchführung, Auswertung und Publikation der klinischen Prüfungen, die dazu erforderlichen gesetzlichen Grundlagen auf nationaler und internationaler Ebene sowie alle weiteren damit im Zusammenhang stehenden Aspekte wie Zusammenarbeit mit Auftragsinstituten, Kompetenzzentren und Behörden, Aspekte der Sicherheit von Probanden in klinischen Prüfungen, Patienteninformationen, Versicherungen und rechtliche Fragen.

Für die Erstattung von Arzneimitteln müssen neben Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit weltweit inzwischen auch Daten zum Nutzen und Zusatznutzen von Arzneimitteln vorgelegt werden, die ebenfalls bereits während der Phase der klinischen Forschung erhoben werden können. Dies schließt im Allgemeinen auch pharmakoökonomische Daten ein.

Relevante Aspekte des Nutzens für Patienten, wie z. B. adäquate Surrogatparameter, Lebensqualität, aber auch die Wahl des richtigen Prüfungsdesigns und der erforderlichen Erfassungsinstrumente wie auch die Bewertung des Nutzens bekommen für die Klinische Forschung eine stetig wachsende Bedeutung.