Wider besseres Wissen - Der von der AOK bezahlte Arzneimittelverordnungsreport ignoriert die Realität
Der Arzneimittelverordnungsreport (AVR) fordert in diesem Jahr verbesserte Transparenz im Arzneimittelmarkt und effektive Instrumente zur Preisregulierung von Arzneimitteln, um auch bei Nachahmerprodukten (Generika) europäische Marktverhältnisse zu erreichen. Gerade den letzten Punkt kann man nur unterstreichen, denn dann müssen die Rabattverträge endlich weg. In keinem anderen europäischen Land ist der Preisverfall bei Generika so extrem wie in Deutschland. „Der AVR will natürlich mit seiner Forderung die Preise senken. Doch die Forderung macht erneut deutlich, dass er die Systematik der Preisbildung in Deutschland und anderen europäischen Ländern nicht verstanden hat oder stillschweigend ignoriert. Von einem Arzneimittel, das in der Apotheke 11 Euro zu Lasten der GKV kostete, erhält der Hersteller nur rund 35 Cent. Der Rest geht in die Mehrwertsteuer und die Handelsstufen. Wer also die Hersteller angreift, sollte auch mit den Finanzen argumentieren, die die Hersteller erhalten. Alles andere ist Polemik und ramponiert einen wissenschaftlichen Ruf. Und wer deutsche Preise mit denen im Vereinigten Königreich vergleicht, sollte zudem auch an den Wechselkurs denken!“, erklärte Dr. Norbert Gerbsch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BPI.
Zu der geforderten Transparenz im Arzneimittelmarkt muss auch gehören, dass die Arbeit des Unterausschusses Arzneimittel des Gemeinsamen Bundesausschusses transparent wird. Transparenz ist keine Einbahnstraße, die nur die Hersteller betrifft. „Wir müssen unsere Studien in internationalen Datenbanken listen und im Rahmen der frühen Nutzenbewertung müssen wir vollständige Dossiers einreichen. Wer aber über unsere Produkte anhand welcher Unterlagen entscheidet, bleibt im Dunkel der Intransparenz“, so Gerbsch.
Im vergangenen Jahr hatte der AVR bei seinem Ländervergleich Deutschland Schweden ebenfalls, wie jetzt bei den Generika, die Daten des Apothekenverkaufspreise verglichen und anhand dieser den Herstellern überhöhte Preise vorgeworfen. Auch da hatte er, wissenschaftlich mehr als fragwürdig, die Handelsstufen, Herstellerzwangsabschläge oder Wechselkursschwankungen völlig außer Acht gelassen.
Die Berechnungen des BPI zum AVR 2010 finden Sie unter www.bpi.de.
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e. V. (BPI) vertritt das breite Spektrum der pharmazeutischen Industrie auf nationaler und internationaler Ebene. 250 Unternehmen mit rund 73.000 Mitarbeitern haben sich im BPI zusammengeschlossen.
Ihr Ansprechpartner: Joachim Odenbach, Tel. 030/27909-131, jodenbach@bpi.de



