Antibiotika

Antibiotika gehören zu den bedeutendsten Fortschritten der Medizin des 20. Jahrhunderts und sind seit ihrer Einführung vor weit über einem halben Jahrhundert unverzichtbar bei der Behandlung von Infektionskrankheiten geworden.

Innovationen fallen nicht einfach vom Himmel und sie sind auch nur ganz selten Geistesblitze einzelner Genies, die sie plötzlich in der Badewanne ereilen. Innovationen erfordern viel Arbeit, Geduld, Leidensfähigkeit und Teamwork. Nicht selten stößt man zufällig auf etwas bahnbrechend Neues, wie im Falle des Antibiotikums Penicillin. Sein Entdecker Sir Alexander Fleming kam aus dem Urlaub zurück und sah, dass der Schimmelpilz Penicillium notatum Teile seiner zu Forschungszwecken angelegten Bakterienkulturen zerstört hatte. Dieser glückliche Zufall, der einer Unachtsamkeit zu verdanken ist, war die Geburtsstunde der Antibiotika, die in der Medizin unverzichtbar geworden sind. Seit man Antibiotika zur Verfügung hat, sind einstmals tödliche Krankheiten wie zum Beispiel die Tuberkulose in den Griff zu bekommen, manche Krankheiten wie Pest und Cholera sind dank dieser Medikamente in unseren Breiten sogar so gut wie ausgestorben.

Seither haben Antibiotika Millionen an Leben gerettet. Doch die WHO schlägt Alarm: Antibiotika verlieren durch Multiresistenzen zunehmend ihre Wirkung.

Wirkstoff im Wettlauf mit Resistenzen

Antibiotikaresistenzen sind ein erhebliches Problem. Anders als virale Epidemien sind unsere Resistenzprobleme überwiegend hausgemacht, verursacht durch den in der Vergangenheit häufig unkritischen, nicht immer sachgerechten Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin. Für eine situationsgerechte und nachhaltige Versorgung mit Antibiotika benötigen wir Moleküle mit neuartigen Wirkmechanismen, auf die sich die krankheitserregenden Bakterien noch nicht eingestellt haben. Hier setzt die pharmazeutische Industrie an: Auch wenn die bewährten Antibiotika glücklicherweise in den meisten Fällen wirken, brauchen wir resistenzbrechende Wirkstoffe mit neuen Wirkmechanismen, die dann zum Einsatz kommen, wenn die klassischen Antibiotika versagen. Also Wirkstoffe, die schwer zu entwickeln sind, möglichst selten und nur kurz eingesetzt werden. Die Entwicklungsaktivitäten haben wieder zugenommen, im laufenden Jahrzehnt ist mit der Zulassung von 18 Antibiotika in Deutschland zu rechnen.