11.07.2022 | Hintergrund Biopharmazeutika: Komplexe Wirkstoffe

Biotechnologie ist eine Schlüsseltechnologie. Neben ihrer Bedeutung in vielen anderen Wirtschaftsbereichen, wie der Lebensmittelindustrie oder Landwirtschaft, spielt sie besonders bei der Forschung und Entwicklung von Arzneimitteltherapien sowie personalisierter Medizin eine große Rolle. Sie umfasst eine Vielzahl an Verfahren, Methoden und Produkten mit denen Forscher versuchen, bisher nicht therapierbare Krankheiten behandeln zu können.

Biopharmazeutika sind biotechnologisch hergestellte Arzneimittel. Das Besondere: Ihre Wirkstoffe lassen sich aus lebenden Organismen – wie zum Beispiel menschlichen, tierischen oder pflanzlichen Zellen – isolieren. Diese aktiven und komplexen Wirkstoffe basieren auf Proteinen oder Nukleinsäuren. Sie bilden also körpereigene Wirkstoffe nach oder passen sich an diese an.

Die Proteine unterscheiden sich dabei in ihrer Größe und Struktur voneinander. Je nach Komplexität bilden sie körpereigene menschliche Proteine nach, angefangen bei Insulin und Wachstumshormonen bis hin zu Gerinnungsfaktoren oder monoklonalen Antikörpern. Bei verschiedenen Krebs- oder Stoffwechselerkrankungen dienen sie als moderne Grundlage für neue Therapieansätze. Besonders bei Erkrankungen des Immunsystems können Biopharmazeutika dabei unterstützen, Entzündungen zu reduzieren und das körpereigene Abwehrsystem erfolgreich wieder herzustellen.

Trotz Pandemie auf Wachstumskurs: Die Biotechnologie-Branche

Über 400.000 hochqualifizierte Mitarbeitende in Biotech- und Pharma-Unternehmen beschäftigen sich weltweit mit der Nutzung von Biotechnologie für Arzneimitteltherapien. In die Forschung und Entwicklung von Biopharmazeutika, investiert die Branche jährlich rund drei Milliarden Euro. [1] In Deutschland sind heute bereits 340 Arzneimittel auf biotechnologischer Basis zugelassen.

Der Anteil an Biopharmazeutika bei Neuzulassungen wächst stetig. 2020 basierten knapp die Hälfte aller neu zugelassenen Arzneimittel (56) auf gentechnisch hergestellten Wirkstoffen (25). Inzwischen befinden sich mehr als 330 gentechnisch hergestellte Arzneimittel dem Markt. [2]

Einen bedeutenden Anteil der Neuzulassungen machen seit einigen Jahren auch Nachahmerprodukte von Biopharmazeutika, sogenannte Biosimilars aus. Waren vor zehn Jahren gerade einmal nur 11 durch die EMA zugelassene Biosimiliars auf dem Markt, sind es aktuell 70. Zudem gibt es derzeit 16 verschiedene Wirkstoffgruppen von Biosimilars in Deutschland. [3] Das sind mehr als doppelt so viele wie noch vor fünf Jahren.

Weitere Informationen zum Thema „Biotechnologie und Biopharmazeutika in Deutschland“ finden Sie auch in unseren Pharmadaten 2021 (Seite 18).

 

[1] Klimaschutz, B. F. W. U. (2021). Biotech-Industrie. bmwi.de. www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Branchenfokus/Industrie/branchenfokus-biotechnologie.html

[2] Biotech-Report 2021

[3] Fokus Biosimilars, März 2022. IQVIA.com