Folgen für die Pharmaindustrie

Auch nach knapp zweijährigen Brexit-Verhandlungen, scheint noch immer keine Lösung in greifbarer Nähe. Nach der Ablehnung des Austrittsabkommens durch das britische Unterhaus müssen nun schnellstmöglich Lösungen gefunden werden, die einen geregelten Austritt Großbritanniens ermöglichen.

Die pharmazeutische Industrie ist wirtschaftlich stark mit Großbritannien vernetzt: Wechselseitige Handelsbeziehungen sind innerhalb des EU-Binnenmarkts entstanden, britische Firmen besitzen Töchter in anderen Mitgliedsländern und umgekehrt. Der Mittelpunkt der Arzneimittelzulassung ist die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) – hier laufen europaweit alle Aktivitäten zur Arzneimittelbewertung und -überwachung zusammen. Noch ist die EMA in London; der Umzug nach Amsterdam ist bereits im vollen Gang.

Auch nach knapp zwei Jahren am Verhandlungstisch, scheinen zufriedenstellende Lösungen für die zukünftigen Beziehungen in weiter Ferne. Das ausgehandelte Abkommen zwischen der EU und Großbritannien wurde vom britischen Unterhaus mit einer großen Mehrheit abgelehnt. Nun liegt es an den Verhandlungsführern, in kürzester Zeit ein Austrittsabkommen auszuhandeln, welches auch die Zustimmungen beider Parlamente erhält. Gelingt dies nicht, steht ein harter Brexit bevor, der die pharmazeutische Industrie schwer treffen würde. Der BPI empfiehlt daher seinen Mitgliedsfirmen, alle Vorkehrungen für den „worst case“ zu treffen. Sowohl die EU als auch Großbritannien veröffentlichten bereits Leitlinien für den Fall eines harten Brexits.

Was den EMA-Standort betrifft, herrscht zumindest Klarheit: Im November 2017 wählten die verbleibenden 27 Mitgliedstaaten Amsterdam zum neuen Sitz der Agentur. Der bevorstehende Umzug der EMA sorgt allerdings schon zum jetzigen Zeitpunkt für eine Reduzierung der Tätigkeiten. Im Oktober 2018 leitete die Agentur die dritte Phase ihres „Brexit preparedness business continuity plan“ ein. Die Agentur versucht durch die Einschränkung ihrer Tätigkeiten zumindest die Kernaktivitäten, wie die Zulassung von Arzneimitteln und Pharmakovigilanzaktivitäten, ohne größere Verzögerungen aufrecht zu erhalten, um so die Arzneimittelversorgung der europäischen Bevölkerung zu gewährleisten. Wie es jedoch nach dem Umzug nach Amsterdam weiter geht ist derzeit fraglich, da viele Mitarbeiter der Agentur entschieden haben, nicht mit der EMA nach Amsterdam umzuziehen.