Gesundheitsversorgung zukunftssicher gestalten

Nie war die Bekämpfung von Krankheiten so existenziell für unsere Wirtschaft, Kultur, das Sozialleben und jeden Einzelnen.

Unsere Mitglieder übernehmen als pharmazeutische Unternehmen die Verantwortung für die Versorgung der Gesellschaft mit Arzneimitteln und Medizinprodukten. Sie entwickeln neue Wirkstoffe sowie Arzneimittel auf Basis bewährter Wirkstoffe, um das Leben der Menschen zu verbessern. Damit ist die pharmazeutische Industrie auch bei der Bekämpfung von Gesundheitsbedrohungen wie der COVID-19-Pandemie an vorderster Position.

Als eine der wichtigsten Säulen des Wirtschafts- und Innovationsstandorts Deutschland sichert die Pharmaindustrie Arbeitsplätze, stärkt regionale Standorte und setzt sich für zukunftsweisende Technologien ein, um unsere Gesundheitsversorgung für künftige Herausforderungen zu wappnen.

Zu oft werden Arzneimittel, Impfstoffe und Medizinprodukte nur als belastender Ausgabenfaktor für das System gesehen. Tatsache ist, dass sie nur einen relativ kleinen und seit Jahren stabilen Anteil an den Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung ausmachen – jedoch mit großer Wirkung für die Patienten.

Um die großen Erfolge in der Arzneimittelforschung und die zuverlässige Versorgung der Bevölkerung in der Breite mit sicheren und wirksamen Arzneimitteln fortzusetzen, braucht es jetzt bessere Rahmenbedingungen. Nur so können wir den Pharmastandort Deutschland durch innovative Forschung zukunftssicher weiterentwickeln. Für die bestmögliche Arzneimittelversorgung mit bewährten Therapien, sicherer Selbstmedikation und digitalisierten Prozessen.

UNSER MASTERPLAN

1. Für die Innovationen

Mit wegweisender Forschung bereit für die Zukunft.

Patienten sollen nicht wegen Preisverhandlungen der Krankenkassen auf zugelassene Therapien warten müssen. Der schnelle Zugang zu innovativen Arzneimitteln muss für jeden in Deutschland erhalten bleiben, z.B. über erfolgsabhängige Erstattungsmodelle.

Um die Entwicklung nicht weiter zu bremsen, müssen investitionsfreundlichere Rahmenbedingungen geschaffen und die Forschungsförderung ausgebaut werden. Auch an anderer Stelle hat Deutschland Nachholbedarf: Die bestehenden Zwangsrabatte auf Arzneimittel müssen dringend abgeschafft werden. Sie gefährden das Ziel, die pharmazeutischen Unternehmen nach der Pandemie vermehrt Arzneimittel und Innovationen erforschen und entwickeln können.

Patienten mit seltenen Erkrankungen haben das gleiche Recht auf eine bestmögliche Versorgung und müssen weiterhin Zugang zu neuen Therapieoptionen erhalten. Eine Kostendämpfung würde diese Patientengruppe abhängen.

 

2. Für die Produktion

Stabile Bedingungen für eine leistungsfähige Pharmaindustrie.

Die Pandemie hat deutlich gezeigt, wie wichtig stabile Produktions- und Lieferbedingungen für die Versorgung sind. Es muss Unternehmen ökonomisch möglich sein, wesentliche Schritte der Produktion in Deutschland und Europa durchführen zu können.

Durch Kostendämpfungsinstrumente wie die Rabattverträge der Krankenkassen entstehen jedoch zunehmend Preise, die für Hersteller nicht mehr auskömmlich sind – ein Preisdiktat, dem sich immer weniger Unternehmen widersetzen können.

Das erschwert die Entwicklung von Innovationen auf Basis bewährter Wirkstoffe und lässt die die Anbietervielfalt schrumpfen – in Fällen von Krisen und Lieferengpässen ein echtes Problem. Zudem setzen Rabattverträge der Produktion in Deutschland und Europa weiter zu oder machen diese unmöglich.

Um dem entgegenzuwirken, fordern wir zumindest Ausschreibungen erst ab vier Marktteilnehmern, eine zwingende Mehrfachvergabe und eine Berücksichtigung des Pharmastandortes Europa – ohne dabei globale Lieferketten in Frage zu stellen.

 

3. Für den Standort

Planungssicherheit schaffen, Wachstumspotenzial fördern.

Die Pharmaindustrie ist in Deutschland vielerorts mittelständisch geprägt. Gerade die Weiterentwicklung bekannter Wirkstoffe bietet ein großes Potenzial für Patienten. Diese Art von Forschung muss ermöglicht und gestärkt werden.

Für echte Planungssicherheit und Verlässlichkeit in der Industrie müssen legislative und wirtschaftliche Rahmenbedingungen erarbeitet werden, die das volkswirtschaftliche Wachstumspotenzial der Branche freisetzen und weitere Abwanderung vermeiden.
So dürfen beispielsweise seit über zwölf Jahren die Preise für Arzneimittel nicht angepasst werden. Dieses Preismoratorium muss schnellstmöglich reformiert und Preissenkungsmechanismen neu justiert werden. Gescheiterte Maßnahmen wie die Importquote haben aufgezeigt, wie lange es dauert, einmal getroffene Entscheidungen zu korrigieren und die hiesige Versorgung zu stärken.

 

4. Für die Versorgung

Mit innovativen und bewährten Arzneimitteln das Gesundheitssystem stärken.

Personalisierte Medizin ist die Zukunft der Versorgung. Wir müssen größere Anstrengungen unternehmen, um diese Chancen zu nutzen.

Patienten benötigen neben Therapiefreiheit und -vielfalt auch mehr Mitbestimmung – und zwar bei allen Arzneimitteln. Dazu zählen sowohl der Zugang zu neuartigen Therapien durch beschleunigte Verfahren bei Zell- und Gentherapien im stationären Bereich als auch zu pflanzlichen, homöopathischen und anthroposophischen Arzneimitteln.

Bei der Zahl der produzierten Biopharmazeutika (Originalprodukte und Biosimilars) hat Deutschland europaweit die Spitzenposition inne. Durch kurzfristige Sparmaßnahmen, wie die vorgesehene automatische Substitution von Biopharmazeutika in der Apotheke, wird dieser Vorsprung gegenüber anderen Staaten zunichte gemacht, die Therapiefreiheit des Arztes eingeschränkt und so der therapeutische Erfolg gefährdet.

Daneben ist eine Absenkung des Mehrwertsteuersatzes auf Arzneimittel nötig, um das Gesundheitssystem zu entlasten und die Sozialgarantie einzuhalten.

 

5. Für die Selbstmedikation

Mit nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in der Apotheke das Gesundheitssystem entlasten.

Die Apothekenpflicht für nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel ist unabdingbar, da auch diese Medikamente der fachkundigen, persönlichen Beratung bedürfen.

Damit Unternehmen langfristig Arzneimittel für die Patienten entwickeln können, muss ihre Innovationskraft nachhaltig gestärkt werden. Hierfür ist gerade bei pflanzlichen Arzneimitteln eine Anpassung der Erstattungs- und Dossierpflicht im Zeitraum der vorübergehenden Verschreibungspflicht erforderlich.

Daneben muss die Erstattung nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel auf alle Kinder und Jugendlichen bis zum Beginn der Volljährigkeit erweitert werden. Diese sollte auch für Schwangere und weitere Patientengruppen, wie multimorbide Personen, angepasst werden. Auch die Möglichkeit der Erstattung für alle apothekenpflichtigen, OTC-Arzneimittel im Rahmen der Satzungsleistungen muss erhalten werden.

 

6. Für neue digitale Technologien

Smarte Lösungen für eine zukunftssichere Gesundheitsversorgung.

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen mit neuen Services wie den Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA), der elektronischen Patientenakte, dem eRezept und der Telemedizin wird die Art und Weise der Gesundheitsversorgung grundlegend ändern – insbesondere auch in Bezug auf die Verfügbarkeit von individuellen Patientendaten über die Sektorengrenzen hinweg.

Die Unternehmen der pharmazeutischen Industrie leisten mit ihrer langjährigen Erfahrung in Diagnostik, Behandlung, Heilung und Nachsorge auch bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens einen großen Beitrag.

Zur Sicherstellung der optimalen Nutzung dieser Expertise müssen verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Innerhalb sicherer Leitplanken lassen sich Gesundheitsdaten generieren, mithilfe derer die Forschung und Entwicklung patientenindividuelle Arzneimitteltherapien verbessert werden und neue Therapiekonzepte entstehen.