Kommentar Plädoyer für die Standortpolitik

Im aktuellen Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD darauf geeinigt, bis 2021 zwei Milliarden Euro mehr in Forschung und Entwicklung zu investieren. Auf diese Notwendigkeit für die Standortpolitik auch der pharmazeutischen Industrie hat der BPI immer wieder hingewiesen. Die Verankerung der Erhöhung des F&E-Etats ist aber nicht zuletzt auch dem Engagement der BPI-Mitgliedsunternehmen zu verdanken, die in ihrer täglichen Arbeit alles daran setzen, sichere und wirksame Medikamente herzustellen, innovative Therapien zu erforschen, Arzneimittel für die Bedürfnisse der Patienten weiterzuentwickeln und bereitzustellen.

Wichtiger aber als zwei Milliarden Euro für die Steigerung der gesamten F&E-Aufwendungen in Deutschland wären tragfähige Rahmenbedingungen für Innovationen mit neuen und bewährten Wirkstoffen.

Ein zweiter Blick in den Koalitionsvertrag lässt hier allerdings durchblicken, welche Zeiten auf uns zukommen: Dort finden sehr viele Wirtschaftszweige mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit des Landes Erwähnung – von der Industrie 4.0, der Mikroelektronik, der Leichtbau- über die skandalgebeutelte Automobilindustrie, die Luft- und Raumfahrtindustrie bis hin zur maritimen Wirtschaft – allerdings nicht die pharmazeutische Industrie.

Man kommt daher nicht umhin, dies als große Herausforderung für die Standortpolitik der nächsten Jahre zu interpretieren. Der BPI nimmt diese Herausforderung an: Mehr denn je sprechen wir mit einer starken Stimme für die Belange der pharmazeutischen Industrie. Hier spielen die Mitgliedsunternehmen insgesamt eine entscheidende Rolle. Der Verband kann dank seiner repräsentativen Mitgliederstruktur Positionen für die gesamte Branche einnehmen.

Der BPI steht hier sowohl für das Gesamtangebot an Arzneimitteln von der Selbstmedikation über generische Arzneimittel bis hin zu unterschiedlichsten Innovationsgraden, als auch für die pharmazeutischen Unternehmen, die hierzulande zu 93 Prozent kleine und mittelständische Betriebe und zudem standortorientiert sind.

Wir haben im vergangenen Geschäftsjahr verdeutlicht, dass Medikamente „Made in Germany“ immer öfter nicht mehr von Ärzten verschrieben werden können. Mit dem „AMNOG-Check 2017“ wurde belegt, dass in Deutschland den Patienten immer weniger Therapiealternativen zur Verfügung stehen. Nicht-Einführung und Marktaustritte führen zusammen zu einem Rückgang der Verfügbarkeit auf insgesamt 69 Prozent der AMNOG-fähigen Medikamente.

Wir haben gezeigt, dass die Sparpolitik der Krankenkassen zu Lasten der Gesundheitsversorgung der Menschen geht: Durch die „Scharfstellung“ der Arzneimittel-Rabattverträge im Jahr 2007 ist im rabattvertragsgeregelten Markt eine Marktkonzentration eingetreten, die für Patienten nicht ohne Folgen bleibt. Kommt es zu Produktionsausfällen oder kurzfristig zu einer deutlich höheren Nachfrage, ist die Versorgung der Menschen gefährdet.

Die Politik muss ein Interesse daran haben, dass das System nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Wirkungsvolle Medikamente – innovative und verschreibungspflichtige wie verschreibungsfreie Arzneimittel – sind nicht zum Nulltarif zu haben. Die Stabilisierung der Generika-Versorgung, die Abschaffung von Exklusivverträgen, die Flexibilisierung des Festbetragssystems, die Beendigung der Blockade der Weiterentwicklung von Arzneimitteln mit bewährten Wirkstoffen zum Beispiel durch das Preismoratorium sowie der Erhalt von Therapiefreiheit und -vielfalt und Medikation in Selbstverantwortung mit sicheren OTC-Arzneimitteln sind dafür Voraussetzungen.

Wir setzen uns dafür ein, dass die Politik in der laufenden Legislaturperiode die richtigen und notwendigen Reformen in Angriff nimmt.