17.05.2019 | Hintergrund Medikamenten-Apps

Es gibt schätzungsweise 100.000 Apps für Smartphones, Smartwatches oder Tablets, die sich dem Thema Gesundheit verschreiben. Mit dem aktuellen Entwurf zum „Digitale Versorgung-Gesetz (DVG)“ sollen Apps auf Rezept bald nicht mehr die Ausnahme sein, sondern zur Regel werden. Sichere und qualitativ hochwertige Apps, können Patienten helfen, zu digitalen Managern ihrer Gesundheit zu werden. Die Angebote schwanken allerdings stark in punkto Sicherheit und Qualität.

Was können sie leisten?

Für den Therapieerfolg ist es entscheidend, dass Patienten die vom Arzt verschriebene Therapie genau befolgen. Oft sind Medikamenten-Apps deshalb speziell auf eine Therapie zugeschnitten und unterstützen die Patienten so bei der Therapietreue. So kann eine App mit gut aufbereiteten Informationen dazu beitragen, dass Patienten ihre Arzneimittel korrekt einnehmen. Beispielsweise erinnern Klingeltöne, optische Signale oder ein Vibrationsalarm an die Einnahme, was zu weniger ungewollten Unterbrechungen von Therapien führen kann. Besonders bei komplexen Therapien kann das eine große Hilfe sein.

Bei Diabetes zum Beispiel liefern Apps digitale Unterstützung beim Messen, Spritzen und Bewegen. Das erleichtert die Behandlung und bringt Struktur in den Therapiealltag.

Auch die Kommunikation zwischen Arzt und Patienten sowie zwischen Ärzten untereinander können Apps verbessern. So kann der Austausch von Informationen zwischen behandelnden Allgemein- und Fachärzten und die Einbindung von Patienten in diese Schritte zum Erfolg einer Therapie beitragen. Beispielsweise bei den sehr komplexen, aufwendigen und wissensintensiven Onkologiebehandlungen.

Weitere Vorteile können sich aus einer einfacheren Protokollierung und Dokumentation ergeben: Physiologische Patientendaten wie Blutdruck, Körpermaße, Gewicht und Krankheitssymptome sind für den Arzt wichtig zu wissen – genau wie die Veränderung dieser Parameter nach der dokumentierten Einnahme der verschriebenen Arzneimittel. Auch können manche Apps über Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten informieren.

Für wen sind sie gut?

Insbesondere für Patienten mit chronischen Erkrankungen können Medikamenten-Apps ein nützliches Hilfsmittel sein. Ein digitaler Behandlungskalender beispielsweise dient der systematischen Dokumentation des Krankheitsverlaufs von Epilepsie-Erkrankungen. Apps können auch zur Nutzung zusätzlicher Angebote wie Sport-Kurse motivieren und so den Patienten dazu bewegen, sich aktiv um die eigene Gesundheit zu kümmern.

Worauf sollten Nutzer achten?

Es ist nicht leicht, sich im Dschungel der Medikamenten-Apps zurechtzufinden. Patienten sollten vor allem auf Sicherheit, Datenschutz und Praxistauglichkeit achten. Nutzer müssen Herr ihrer Daten bleiben und alle Möglichkeiten der Krankheitsdokumentation selbst verwalten können. Die übertragenen Daten müssen verschlüsselt, pseudonymisiert und durch individuelle Schlüssel gesichert sein. So ist niemand Unbefugtes in der Lage, die Daten auszulesen. Bestenfalls empfehlen Ärzte eine therapiebegleitende App. Im Zuge dieser Beratung, sollte auch der Austausch von Daten besprochen werden. Patienten sollten jederzeit die Dokumentation gemeinsam fortschreiben oder den Datenaustausch unterbrechen können.