15.07.2019 | Nachgefragt Nachgefragt bei Jörg Wolters

Jörg Wolters (Ruhrpharm AG)
(Copyright: Kosma Klosowicz / www.klokwise.de)

Jörg Wolters ist seit über 20 Jahren Vorstand des mittelständischen Familienunternehmens Ruhrpharm AG. Kommunikation ist ihm wichtig. Von seiner Tochter lässt er sich zurzeit Instagram erklären.

Das Interview entstammt der Ausgabe 02/19 des BPI-Pharmareports.

 

Pharmareport: In der Pharmazie dreht sich alles um den Menschen, sagt ihr Unternehmen. Was heißt das für Sie als Vorstand einer Aktiengesellschaft?

Jörg Wolters: Wir haben das Glück als Aktiengesellschaft weiterhin ein Familienunternehmen zu sein und sind daher keinen Aktionären verpflichtet. Wir rechnen nicht in monatlichen Renditen, sondern in jahrelangem Erfolg in der Versorgung der Patienten. Deshalb leisten wir es uns, Produkte auch dann am Markt zu halten, wenn uns die Politik zuweilen einen Strich durch die wirtschaftliche Rechnung macht.

Was ärgert Sie am meisten, wenn über die Pharmaindustrie gesprochen wird?

Es ärgert mich, dass wir nur als Kostenverursacher und -treiber wahrgenommen werden. Unsere vorrangige Aufgabe ist es, die Versorgung der Menschen mit sicheren und hochwertigen Arzneimitteln zu gewährleisten – auch vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung. Es bleibt in der Diskussion häufig auf der Strecke, dass die Branche Arbeitsplätze und Wertschöpfung schafft.

Wie kann man mit Pharma-Klischees als Unternehmensführer aufräumen?

Indem wir immer wieder in den Dialog treten, unser Wissen transportieren und so Transparenz schaffen. Wir fechten für unsere Ziele mit offenem Visier. Das ist kein leichter Job, aber es ist mir wichtig, mich mit guten Argumenten gegen Behauptungen zu wehren.

Patient und Pharmaindustrie: Wie kommen Sie miteinander ins Gespräch?

Wir haben vor Jahren ein Patientenmagazin etabliert, das in Arztpraxen ausliegt und in dem wir Gesundheitsthemen kommunizieren. Dabei geht es nicht um unsere Produkte, sondern um einen Mehrwert für die Patienten in der Therapie – sozusagen die analoge Form der Medical-Apps. Aber wir sind auch digital, gehen in den sozialen Medien mit den Menschen ins Gespräch, zum Beispiel auf Facebook.