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BPI fordert konsistente, ideologiefreie Forschungspolitik

Eine Forschungs- und Innovationspolitik ohne ideologische Scheuklappen hat Dr. Bernd Wegener, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), gefordert. Angesichts schrumpfender Wachstumszahlen in einem hochtechnologischen Markt könne es sich Deutschland nicht länger leisten, weltanschauliche Grabenkämpfe über zentrale Forschungsfelder zu führen, sagte Wegener heute anlässlich des fünften BPI-Unternehmertages in Berlin. Darüber hinaus sei die deutsche Forschungsförderung von tiefen Gräben durchzogen, die eine kontinuierliche Produktentwicklung von der Grundlagenforschung bis zur Marktreife kaum möglich mache, so der BPI-Vorstandsvorsitzende.

Wegener wies darauf hin, dass Deutschland in der biotechnologischen Forschung nach wie vor weltweit auf einem Spitzenplatz liege. Den Unternehmen werde es aber zusehends schwer gemacht, diese Forschungsergebnisse auch in marktfähige Produkte zu überführen. Auch Hochschulausgründungen seien aus eigener Kraft und mit Übergangsmitteln aus deutschen Finanzierungsquellen kaum zu bewerkstelligen. Aus „Furcht vor dem Markt“ zöge sich die Forschungsförderung zurück, lange bevor dieser Markt tatsächlich erreicht sei. „Das bedeutet: Deutschland zahlt große Teile der Forschungsleistungen, aber ausländische Investoren schöpfen dann die Gewinne ab“, so Wegener. Die gesundheitspolitische Diskussion in Deutschland sei von einer grundlegend falschen Schwerpunktsetzung geprägt, betonte der BPI-Vorsitzende in Anwesenheit von mehr als 100 Unternehmensvertretern. Im Zentrum stünde die Frage nach den Kosten, während der Nutzen pharmazeutischer Produkte keinerlei Berücksichtigung erfahre. Nicht der Preis, sondern der Wert eines Arzneimittels müsse aber stärker in den Fokus gerückt werden. In diesem Zusammenhang forderte Wegener dazu auf, die Deutungshoheit über den gesellschaftlichen Nutzen von Arzneimitteln nicht allein der Politik und den Kassen zu überlassen: „Auch Ärzte, auch Patienten und auch die pharmazeutische Industrie selbst sollen und müssen sich an einer Nutzenbestimmung für Arzneimittel in Deutschland beteiligen können.“ Wegener betonte, dass sich in Deutschland zusehends ein Widerspruch zwischen den aktuellen Forschungsergebnissen und der Bewertung von pharmazeutischen Produkten ergebe: „Während sich in der Forschung längst gezeigt hat, dass Arzneimittel um so besser wirken, je genauer sie auf das individuellen Profil des Patienten zugeschnitten seien, macht sich in sämtlichen Bewertungsgremien ein fataler Hang zur Standardisierung breit, der genau diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen zuwiderläuft,“ so Wegeners Erfahrung. Vor diesem Hintergrund fordert der BPI im Namen seiner Mitgliedsunternehmen den Gemeinsamen Bundesausschuss und das ihm zuarbeitende Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IGWiG) dazu auf, Anwendungsstudien bei der Beurteilung pharmazeutischer Produkte stärker als geplant zu berücksichtigen. „Es hat keinen Sinn, wenn die so genannte ‚Nutzenbewertung’ des IQWiG darin besteht, unsere Zulassungsunterlagen noch einmal durchzukämmen. Davon hat weder der Patient, noch das Gesundheitssystem noch die pharmazeutische Industrie etwas. Wir müssen stattdessen zu Bewertungsverfahren kommen, die unter Real-Life-Bedingungen zeigen, was pharmazeutische Produkte bringen,“ so Wegener.