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BPI für mehr Schutz rezeptfreier Arzneimittel

Zur 15. Jahrestagung des Weltverbandes der Industrie für Selbstmedikation in Genf macht sich der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) für den Erhalt nationaler Märkte stark. Klare Regelungen auf europäischer Ebene und der Wegfall von Handelshemmnissen sind nach Ansicht des BPI-Hauptgeschäftsführers Henning Fahrenkamp zu begrüßen. Gleichzeitig müsse aber die Vielfalt lokaler Angebote bei der wachsenden Bedeutung rezeptfreier Arzneimittel erhalten bleiben.

„Immer mehr Menschen versorgen sich selbst mit Arzneimitteln oder fragen ihren Arzt oder Apotheker“, sagte Fahrkamp am Mittwoch in Berlin. „Zur Sicherheit sollten Patienten auf Produkte mit langer therapeutischer Tradition und hoher Qualität zurückgreifen können.“ Der BPI-Geschäftsführer verwies in diesem Zusammenhang auf pflanzliche Arzneimittel aus der Apotheke, die besonders in Deutschland hohes Ansehen genießen. Rezeptfreie Arzneimittel, im Englischen auch OTC-Produkte (OTC = Over the Counter = über den Ladentisch) genannt, sind eine risikoarme, per Gesetz definierte Produktgruppe, die der Vorbeugung und Verhütung von Krankheiten dient. In Deutschland ist die Erstattung nicht-verschreibungspflichtigen Arzneimitteln seit In-Kraft-Treten des GKV-Modernisierungsgesetzes vom 01. Januar 2004 nicht mehr generell möglich. „Dieser Eingriff ist aus therapeutischer Sicht sachlich nicht gerechtfertigt“, bekräftigte BPI-Geschäftsführer Fahrenkamp. Die Kürzungen erfolgten allein aus finanziellen, nicht aus patientenorientierten Erwägungen. „In der Praxis bedeutet die vermeintliche Kostenersparnis eine massive Einschränkung der Therapiefreiheit des Arztes“, so Fahrenkamp. Im Jahr 2003 betrug der OTC-Anteil durch Verordnungen noch 42,4 Prozent. Im Jahr 2004 lag dieser Anteil nur noch bei 26,2 Prozent. Besonders betroffen waren Muskel- und Gelenkmittel, Herz- und Kreislaufmittel sowie Durchblutungsfördernde Arzneien. Die Welthandelsorganisation WHO hatte zuvor in mehreren Studien die Selbstmedikation Chronischer Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetis zum zentralen Thema der nächsten Jahre erklärt. Die WHO verwies diesbezüglich auf demographische Entwicklungen und ökonomische Entlastungen.