Insbesondere im Generikamarkt bedarf es neuer Weichenstellungen, da erste Versorgungsprobleme in Deutschland auftreten Und dies passiert insbesondere bei Produkten, bei denen die Erlöse so gering sind, dass eine Produktion in Deutschland nicht mehr wirtschaftlich darstellbar ist. „Wir benötigen aber auch im Bereich der innovativen Arzneimittel Reformen. Die frühe Nutzenbewertung hat neben der Frage der zweckmäßigen Vergleichstherapie noch weitere wesentliche Geburtsfehler: Die Machtfülle des GKV-Spitzenverbandes, der über die Frage der Vergleichstherapie und des Zusatznutzens mitentscheidet und auf dieser Grundlage die Verhandlungen führt, die Zwangspreise für Arzneimittel, die aus formalen Gründen einen Zusatznutzen abgesprochen bekommen und die Unmöglichkeit, Arzneimittel beispielsweise auf pflanzlicher Basis für den OTC-Markt zu entwickeln, da diese auch durch die frühe Nutzenbewertung müssen. Hier muss die neue Bundesregierung dringend ansetzen“, so Wegener.
Auch für die Weiterentwicklung von Arzneimitteln bedarf es wirtschaftlicher Anreize. Die Geschichte der Verbesserung der Arzneimittel ist eine Geschichte der Schritte, nicht der Sprünge. Die derzeitige Logik entzieht aber dieser Tatsache den wirtschaftlichen Boden. Im Bereich der besonderen Therapierichtungen wurden bis dato die Chancen, die Arzneimittel dieser Bereiche bieten, nicht ausreichend genutzt. Es bedarf nun endlich einer Aufwertung dieser Therapierichtungen, auch bei der Verankerung in den Hochschulen. Bei allen Arzneimitteln gilt es auf jeden Fall, die Sicherheit zu gewährleisten, aber mit Augenmaß. Derzeitige Überlegungen, zukünftig jede Packung groß mit der pharmazeutischen Bezeichnung des Wirkstoffes zu beschriften, werden eher zur Verunsicherung und zu weniger, als zu mehr Sicherheit führen. „Welcher multimorbide Mensch wird sich denn beispielsweise merken können, dass er Ursodeoxycholsäure und Dexamethasondihydrogenphosphat Dinatrium (Ph. Eur.) einnimmt? Wer Compliance fördern möchte, muss von solchen Überlegungen Abstand nehmen“, forderte Wegener.
Im Einzelnen fordert der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie
· Generika: Ende der Schnäppchenjagd!
· Innovationen ohne Zusatz-Nutzen-Label: Seriöse Preise!
· Schrittinnovationen: Nutzenbewertung als Chance!
· Gemeinsamer Bundesausschuss: Kassen Stimmrecht entziehen!
· Besondere Therapierichtungen: Emanzipieren!
· Selbstmedikation: Sicherheit mit Augenmaß!
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e. V. (BPI) vertritt das breite Spektrum der pharmazeutischen Industrie auf nationaler und internationaler Ebene. Rund 240 Unternehmen mit ca. 70.000 Mitarbeitern haben sich im BPI zusammengeschlossen.
Ihr Ansprechpartner: Joachim Odenbach, Tel. 030/27909-131, jodenbach@bpi.de