Lieferengpässen können vielfältige Ursachen zugrunde liegen:
· Probleme eines Zulieferers mit der Lieferfähigkeit eines Wirk- oder Hilfsstoffs,
· Ausfall einer Produktionsanlage oder Hard- und/oder Software durch Umrüstung oder Um-/Ausbau, durch Anpassung an geänderte behördliche Anforderungen, wegen Sanierungsmaßnahmen oder wegen einer Katastrophe (z. B. Feuer, Erdbeben, Flut),
· Probleme beim Transfer einer Herstellung zu einem anderen Betrieb,
· Sperrung von Produktionschargen wegen Mängeln oder Rückruf,
· unerwarteter Anstieg des Bedarfs/unerwartet hohe Nachfrage,
· zunehmender Kostendruck im Arzneimittelbereich, der die Hersteller zur Nutzung aller Möglichkeiten der Effizienzsteigerung bei der Herstellung von Wirk- und Hilfsstoffen sowie von Arzneimitteln zwingt. Dieser Kostendruck führt auch zu einer Konzentration auf wenige Hersteller und zur Produktion an preisgünstigen Standorten vielfach in Drittstaaten außerhalb der EU.
Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sind in Deutschland inklusive aller Wirkstoffe, Darreichungsformen und Wirkstärken rund 91.500
verschiedene Arzneimittelpackungen verkehrsfähig. Davon ist nur ein geringer Bruchteil überhaupt von Lieferengpässen betroffen. Die meisten Lieferengpässe sind kurzfristig und durch verfügbare alternative Arzneimittel
bleibt die Versorgung sichergestellt. In den wenigen Fällen, in denen Lieferengpässe problematisch sind, bedarf es sinnvoller Lösungen.
Vorschläge, die Industrie zu einer Zwangsbevorratung mit knappen Wirkstoffen zu verpflichten, verkennen dagegen die Wirklichkeit. Wenn ein Wirkstoff am Weltmarkt nicht verfügbar ist, kann kein Unternehmen der Welt einen Zwangsvorrat anlegen. Auch die Idee, spezielle Zwangsrabatte auf Arzneimittel der Hersteller zu erheben, die Lieferschwierigkeiten haben, ist ebenfalls widersinnig. Wenn beispielsweise durch Naturkatastrophen oder einen nicht absehbaren Anstieg des Bedarfes Lieferengpässe entstehen, kann kein Unternehmen dafür verantwortlich gemacht werden. Den einzigen Effekt, den derartige Maßnahmen hätten, wäre den wirtschaftlichen Druck auf diese Arzneimittel noch weiter zu erhöhen. Die pharmazeutische Industrie fordert einen sachlichen Dialog – Unsachliche Forderungen helfen niemandem.
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e. V. (BPI) vertritt das breite Spektrum der pharmazeutischen Industrie auf nationaler und internationaler Ebene. 250 Unternehmen mit rund 73.000 Mitarbeitern haben sich im BPI zusammengeschlossen.
(Joachim Odenbach, Tel. 030/27909-131, jodenbach@bpi.de)