Problematisch ist z. B., so der BPI, die Versorgungslage für Epileptiker. Durch den, wegen der Rabattverträge, ausufernden Austausch von Arzneimitteln kann es aufgrund der sehr unterschiedlichen Bioverfügbarkeit des Wirkstoffes in unterschiedlichen Medikamenten zu kritischen Dosierungsschwankungen beim jeweiligen Patienten kommen. „Es kann so zu unnötigen Schüben und eigentlich vermeidbaren epileptischen Anfällen kommen. Hier muss dringend eine Liste mit kritischen Diagnosen festgelegt werden, bei denen nicht ausgetauscht werden darf, denn solche Probleme können auch bei Asthma oder Depressionen entstehen", erklärte Prof. Barbara Sickmüller, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des BPI.
Der BPI fordert im Einzelnen neun Veränderungen in der Arzneimittelversorgung:
1. „Strikte Liste“ oder „Critical Dose Drugs List“, das heißt eine Liste von Indikationen und Wirkstoffen, bei denen
• der Austausch in der Apotheke verboten ist,
• die Verordnung nicht auf „Wirtschaftlichkeit“ geprüft wird.
2. Konzertierte Aktion „Kinderarzneimittel“ unter Leitung des Bundeskanzleramtes.
3. Schwere Fälle von Neurodermitis in die OTC-Erstattungsliste aufnehmen.
4. Besondere Therapieformen in Versorgungsverträgen ermöglichen.
5. Schmerztherapie von der Wirtschaftlichkeitsprüfung ausnehmen.
6. Preiserhöhungen bei erheblichen Rohstoffpreissteigerungen zulassen.
7. G-BA: Unabhängige Wissenschaft einbinden
• durch eine wissenschaftliche Schiedskommission, die den „Gemeinsamen Bundesausschuss“ überprüft und von Betroffenen angerufen werden kann.
8. Die Wirtschaftlichkeitsprüfung entfällt grundsätzlich für Arzneimittel
• wenn eine Vereinbarung mit den Kassen besteht,
• bei Arzneimitteln gegen seltene Erkrankungen.
9. Vorschlag: Reform der Zuzahlungsregelungen.
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e. V. (BPI) vertritt das breite Spektrum der pharmazeutischen Industrie auf nationaler und internationaler Ebene. Über 260 Unternehmen mit rund 73.000 Mitarbeitern haben sich im BPI zusammengeschlossen.
Ihr Ansprechpartner: Joachim Odenbach, Tel. 030/27909-131, jodenbach@bpi.de