Als Belege für die ″Polycrisis″ nannte Joachimsen Handelskonflikte, eine trotz aller Warnungen tendenziell weiter wachsende Abhängigkeit von Asien, fragile Lieferketten, Cyberattacken sowie Knappheiten und hohe Kosten bei Energie und Rohstoffen.
„Es gibt noch immer keine konsequente und entschlossene Politik, die der Bedrohungslage angemessen wäre. Gesundheitspolitik ist Standortpolitik und muss in diesen Zeiten immer auch Teil der Sicherheitspolitik sein“, forderte Joachimsen.
In der Realität jedoch praktizierten sowohl Brüssel als auch Berlin unverändert „Politik paradox“. So werde über den dringend notwendigen Critical Medicines Act (CMA), der die Produktion in Europa stärken sollte, schon viel zu lange debattiert, ohne dass sich irgendetwas geändert hätte; gleichzeitig würden die guten Absichten des CMA durch andere Initiativen wie die Kommunale Abwasserrichtlinie (KARL) konterkariert.
Auf Bundesebene werde die pharmazeutische Industrie trotz Pharmadialog, trotz aller „Leitindustrie-Hymnen“, trotz ihrer Schlüsselrolle als Teil der kritischen Infrastruktur weiterhin „zum Kostenfaktor degradiert und durch immer höhere Abschläge und immer mehr Rabattverträge geschwächt“, kritisierte Joachimsen.
Die vom Bundesgesundheitsministerium geäußerte Absicht, im Zuge des lange erwarteten Gesundheitssicherstellungsgesetzes schon die Regelversorgung so aufstellen zu wollen, dass sie die bestmögliche Vorbereitung für einen Krisenfall darstelle, begrüßte Joachimsen grundsätzlich: „Aber der Blick darf sich nicht auf den Krankenhausbereich verengen; auch bei Arzneimitteln funktioniert die Regelversorgung nicht so, wie es sein sollte.“
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