Die gute Kassenlage ist angesichts der harten Sparmaßnahmen im Arzneimittelsektor auch nicht überraschend. Die GKV-Ausgaben liegen hier 2010 bei 30,18 Milliarden Euro und machen damit rund 17 Prozent der Gesamtausgaben aus. Bei den Krankenhausbehandlungen dagegen, die rund 33 Prozent der Gesamtausgaben ausmachen, explodieren die Kosten offensichtlich weiter. Sie sind im Vergleich zum Vorjahr 2009 um rund zwei Milliarden Euro auf rund 58 Milliarden Euro angestiegen.
Entgegen allen Behauptungen von Medien und Politik sind die von der GKV erstatteten Medikamente keine Preistreiber. Im Gegenteil, der Arzneimittelpreisindex im Festbetragsmarkt sank nach Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO) auch 2009 weiterhin kontinuierlich und rutschte bis Ende 2010 um rund fünf Prozentpunkte ab. „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht, Gewinne sind hier kaum mehr möglich. Wenn den pharmazeutischen Unternehmen noch weiter die Hände gebunden werden, wird der Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig Schaden nehmen“, so Henning Fahrenkamp. Auch bei den nicht-festbetragsgeregelten Arzneimitteln, die gerne als Beispiel für überteuerte Preise herangezogen werden, sank der Preisindex von Mitte 2010 bis Anfang 2011 um etwa einen Prozentpunkt, der Abwärtstrend setzt sich aktuell fort.
Einen Aufwärtstrend zeigen die Pharma-Daten 2011 hingegen im Bereich Forschung und Entwicklung (FuE). Hier wurden nach Angaben der Wissenschaftsstatistik 2011 des Stifterverbandes im Jahr 2010 in Deutschland rund 5,5 Milliarden Euro aufgewendet, 100 Millionen Euro mehr als im Vorjahr 2009. „Die Investitionen verdeutlichen, dass die pharmazeutische Industrie verstärkt auf medizinischen Fortschritt und echte Innovationen setzt“, sagt Henning Fahrenkamp. „Zugleich ist es aber auch ein Vertrauensvorschuss gegenüber der Politik, verbunden mit der Erwartung, dass der FuE-Standort Deutschland endlich die notwendige Stärkung erfährt, die unsere europäischen und internationalen Wettbewerber längst etabliert haben: den Einstieg in die steuerliche FuE-Förderung. Wenn diese Wettbewerbsnachteile nicht rasch beseitigt werden, sehe ich für den Forschungsstandort Deutschland schwarz.“
Insgesamt geben die Pharma-Daten 2011 der pharmazeutischen Industrie wenig Hoffnung auf eine schnelle Verbesserung ihrer Lage. „Wir sind zwar nach wie vor eine leistungsstarke, innovative und krisensichere Branche, doch die Zukunft sieht alles andere als rosig aus“, sagt Henning Fahrenkamp. „Die Zeichen stehen weiter auf Kostendämpfung und Regulierung, ob es gelingt, eine transparente, effektive und faire frühe Nutzenbewertung mit fairen Preisverhandlungen zu etablieren, steht noch in den Sternen. Die Pharma-Daten 2011 bestätigen es: Das Gift des gesundheitspolitischen Dirigismus lähmt den Pharmastandort Deutschland immer mehr.“
Die Pharma-Daten 2011 können über die Pressestelle des BPI angefordert werden und stehen unter www.bpi.de zur Verfügung. Ein Interview zum Thema und downloadfähige Zitate finden sie ebenfalls auf www.bpi.de unter Presse/Mediathek.
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e. V. (BPI) vertritt das breite Spektrum der pharmazeutischen Industrie auf nationaler und internationaler Ebene. 250 Unternehmen mit rund 73.000 Mitarbeitern haben sich im BPI zusammengeschlossen.
Ihr Ansprechpartner: Joachim Odenbach, Tel. 030/27909-131, jodenbach@bpi.de