Selbstmedikation

Bestmögliche Gesundheitsversorgung braucht rezeptfreie Arzneimittel.

Fakt

Mehr als jedes 2. in der Apotheke abgegebene Arzneimittel ist ein rezeptfreies.

Rezeptfrei bedeutet keineswegs wirkungslos. Im Gegenteil: Arzneistoffe können nur wirken, wenn sie ordnungsgemäß angewendet werden. Falsch kombiniert oder zusammen mit bestimmten Lebensmitteln verlieren die Medikamente mitunter ihre Wirkung. Auch Wechselwirkungen und Nebenwirkungen sind möglich, wenn beispielsweise ein Arzneimittel zu oft oder mit unverträglichen Lebensmitteln zusammen eingenommen wird. Darauf macht der Beipackzettel aufmerksam.

Um sicher zu gehen, welches Arzneimittel in der Selbstmedikation das therapeutisch sinnvollste ist, verordnen Ärzte diese oftmals auf einem Grünen Rezept. Das Grüne Rezept zeigt, dass der Arzt Kauf und Einnahme eines bestimmten Arzneimittels für therapeutisch notwendig und zweckmäßig hält. Und der Apotheker weiß, welches Arzneimittel er konkret nach ärztlicher Auffassung an den Patienten abgeben soll. Im Jahr 2017 waren laut ABDA 31,6 Prozent der Verordnungen nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel Grüne Rezepte.

Medikamente in der Selbstmedikation, so genannte „Over the counter“-Produkte (OTC) sind fester Bestandteil der Gesundheitsversorgung. In der Therapie vieler Erkrankungen gehören rezeptfreie Arzneimittel selbstverständlich mit dazu. Aus gutem Grund: Weil die verschreibungsfreien Arzneimittel sicher sind und wirken! Mehr als jedes zweite in der Apotheke abgegebene Arzneimittel ist ein nicht verschreibungspflichtiges.

Sind verschreibungsfreie Arzneimittel wirkungslos?
Eindeutig: Nein! Dass ein Arzneimittel aus der Rezeptpflicht entlassen wird, erfolgt nicht wegen der Wirksamkeit, sondern aufgrund seines vorteilhaften Nutzens und seiner geringen Risiken beim Einsatz des Arzneimittels ohne eine ärztliche Überwachung.

Was halten Ärzte von OTCs?
Ärzte wählen oft gezielt OTC-Präparate für die Therapie einer Krankheit aus, weil sie weniger Nebenwirkungen haben und und meist gut verträglich sind.

Warum sollen rezeptfreie Arzneimittel unbedingt in der Apotheke verbleiben?
Es gibt gute Gründe dafür, dass Arzneimittel über die Apotheke abgegeben werden. Zuallererst mal die Patientensicherheit: Auch bei rezeptfreien Arzneimitteln sind Wechsel- und Nebenwirkungen möglich, wenn auch meist schwächer als bei verordnungspflichtigen Präparaten. Die ausführliche Beratung durch den Apotheker und die Apothekenpflicht ist deshalb unabdingbar.

Warum brauchen Arzneimittel der Selbstmedikation Werbung?
Der Patient kümmert sich meist selbst darum, Hintergründe, Ursachen und Lösungen für seinen aktuellen Gesundheitszustand zu finden. Die Kommunikation zu Arzneimitteln ist daher weniger Werbung als vielmehr Erklärung, warum ein Arzneimittel ein gutes Angebot für die Gesundung oder Gesunderhaltung sein kann. Am Ende entscheidet der Patient – im Idealfall gemeinsam mit seinem Arzt oder dem Apotheker – über die für ihn bestmögliche Therapie.

Der Nutzen von rezeptfreien Arzneimitteln wird unterschätzt: Arzneimittel der Selbstmedikation haben ihren positiven Einfluss auf den Gesundheitszustand beziehungsweise die Krankheitssymptome nachgewiesen. Mit der Zulassung wurden Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit dokumentiert und nachgewiesen und das Arzneimittel hat bewiesen, dass sein Nutzen höher ist, als das Risiko, es einzunehmen. Neben der externen Evidenz, welche die Datenlage in klinischen Studien widerspiegelt, ist auch die interne Evidenz, also die Erfahrungen der Patienten, Ärzte und Apotheker über den Nutzen eines Arzneimittels der Selbstmedikation eminent. Für die Selbstmedikation stehen nur solche Arzneistoffe zur Verfügung, über die schon jahrelange Erfahrungen vorliegen.

Der BPI setzt sich seit mehr als 60 Jahren für einen sorgsamen Umgang mit verschreibungspflichtigen und rezeptfreien Medikamenten ein. Der Warnhinweis für die rezeptfreien Arzneimittel: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ stammt vom BPI – und ist bereits 28 Jahre alt.

Der BPI hat sich erfolgreich für die Ausweitung der Satzungsleistungen der gesetzlichen Krankenkassen auf rezeptfreie, apothekenpflichtige Arzneimittel eingesetzt. Seit 2012 können die Kassen im Rahmen ihrer Satzungsleistungen entscheiden ob und in welchem Umfang sie OTCs wieder in die Erstattung aufnehmen. Mehr als die Hälfte aller gesetzlichen Kassen bieten ihren Patienten eine Rückerstattung an.

Mit dem Herausfall aus der GKV-Erstattung der rezeptfreien Arzneimittel im Jahr 2004 konnten diese regelhaft nur noch für versicherte Kinder bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr und für Erwachsene in Ausnahmefällen bei schwerwiegenden Krankheiten auf dem Kassenrezept verordnet werden.

Der BPI macht sich dafür stark, dass vor allem Familien mit Kindern, weiter entlastet werden: Die Erstattung für OTC-Arzneimittel muss für alle Kinder und Jugendliche bis zum Beginn der Volljährigkeit sichergestellt sein. Darüber hinaus sollte auch für Schwangere eine Erweiterung der gesetzlichen Erstattung für nicht verschreibungspflichtige, apothekenpflichtige Arzneimittel erfolgen.

Eine Übersicht, welche Krankenkasse OTC-Arzneimittel im Rahmen ihrer Satzungsleistungen seit 2012 wieder erstatten, finden Sie hier.